Am 24. Februar 2026 machte der EIM-Tag in Köln deutlich, wo Unternehmen beim Enterprise Information Management heute konkret ansetzen mĂŒssen. Aus den Keynotes, Praxisberichten und Diskussionsrunden im Rahmen unseres Events lassen sich Erkenntnisse ableiten, die fĂŒr IT-Verantwortliche, aber auch Fachbereiche relevant sein dĂŒrften.
ZukunftsfÀhiges Informationsmanagement entsteht nicht durch die nÀchste Technologie allein, sondern dort, wo Sie Daten, Dokumente und Prozesse intelligent zusammenkommen.
Neben den Learnings vom EIM-Tag, die wir hier schriftlich fĂŒr Sie aufarbeiten, können Sie sich auch einen audio-visuellen Eindruck und sich nĂ€her zu unserem Event informieren. Besuchen Sie dafĂŒr unsere
Learnings vom EIM-Tag
1. Self-Service funktioniert nur mit zentral kuratierten Daten und klarer Plattformlogik
Fachbereiche treiben Self-Service aktiv voran und bringen wertvolle Eigeninitiative in die Datennutzung ein. Die Erfahrungen zeigen dabei, dass dieses Engagement besonders wirksam wird, wenn es durch eine klar definierte Plattformlogik und abgestimmte Governance-Strukturen unterstĂŒtzt wird.
Vonovia hat in diesem Kontext erkannt, wie wichtig es ist, gewachsene Datenlandschaften in eine gemeinsame, zentral kuratierte Umgebung zu ĂŒberfĂŒhren, um Self-Service nachhaltig skalierbar und effizient zu gestalten.
Self-Service eröffnet Fachbereichen vielfĂ€ltige Möglichkeiten, eigenstĂ€ndig mit Daten zu arbeiten und Innovationen voranzutreiben. Gleichzeitig wird deutlich, dass mit wachsender Toolvielfalt und neuen Anwendungsfeldern auch der Bedarf an klarer Orientierung steigt. SEW hebt hervor, dass eine transparente Plattformstrategie und konsistente Leitlinien dabei helfen, die vorhandenen Möglichkeiten gezielt nutzbar zu machen und Fachbereiche sicher durch die zunehmende KomplexitĂ€t zu fĂŒhren.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, eine klare Plattformstrategie zu etablieren, zentrale Rollen wie Plattform-Owner, Data-Steward und Fachbereiche verbindlich zu definieren sowie Ăbergabe- und Betriebsprozesse (z. B. SLAs, Meilensteine, Wissensaufbau) frĂŒhzeitig zu verankern. So schaffen Sie die Grundlage dafĂŒr, dass Self-Service sein volles Potenzial entfalten kann â effizient, skalierbar und im Einklang mit einer gemeinsamen Daten- und Plattformlogik.
2. âAI-readyâ heiĂt: Daten sind nicht nur vorhanden, sondern kontrolliert nutzbar
Die Keynote von IBM brachte es auf den Punkt: âWenn ich eine Datenbasis habe, die Schrott ist, dann kann ich nicht ordentlich KI einsetzen mit meinen Unternehmensdaten.â, so Matthias Biniok.  Damit wurde die Erwartung korrigiert, dass Modelle allein den Mehrwert liefern; tatsĂ€chlich verlangt AI-Readiness eindeutige Identifikatoren, konsistente Metadaten, modellgerechte Datenstrukturen und eine passende Infrastruktur.
Mercedes-Benz illustrierte dieses Problem operativ: âDaten sind verfĂŒgbar, aber nicht nutzbar. Wir haben gar nicht den Kontext, den die AI braucht, um zu arbeiten.â Â Es wurde deutlich, dass die HĂŒrde seltener das Modell, sondern vielmehr das ZusammenfĂŒhren, Annotieren und Governen der Daten ist.
Unternehmen sollten deshalb ein Data-Inventory und einen zentralen Datenkatalog aufbauen, SchlĂŒssel und Beziehungen dokumentieren sowie verbindliche Richtlinien zur Modell- und Infrastrukturwahl (lokal vs. Cloud; Vektor-Store vs. Data-Lake; Kriterien fĂŒr Trust/Cost/Performance) festlegen â nur so werden KI-Use-Cases verlĂ€sslich und skalierbar.
3. Dokumente sind heute dank KI kein Verhinderer fĂŒr Automatisierung mehr
Aus mehreren Praxisberichten wurde sichtbar, dass Dokumente oft der âanaloge Kernâ kompletter Prozesse sind – und teilweise eben auch ein Engpass.
Die NĂŒrnbergMesse fasste es knapp zusammen: âJeder Dokumententyp hat eigene Anforderungen. (…) Manchmal reicht eine beliebige Gewerbeanmeldung nicht aus. Die TĂ€tigkeit muss inhaltlich zum Produkt Spektrum der Messe passen. Genau dieser fachliche Bezug macht die PrĂŒfung so komplex.â Damit ist gemeint, dass Klassifikation und reine Extraktion nicht ausreichen, wenn Fachkontext, VollstĂ€ndigkeit und formale Anforderungen fehlen.
DFKP schilderte die GröĂenordnung und HeterogenitĂ€t: âWir verarbeiten wöchentlich mehrere 1000 Dokumente, wir haben ungefĂ€hr 200 verschiedene Dokumentenklassen. (…) Die Klassen in sich selbst sind oft auch sehr heterogen.â, und machte damit die Grenzen reiner Feldextraktion sichtbar.
Der ISR-Kunde Deka Immobilien beschrieb den pragmatischen Weg: erst Workshops, dann Metadatenmodell, Prototyp, iteratives NachschĂ€rfen â Resultat: innerhalb weniger Wochen ein iterativ geschĂ€rfter Prototyp und zusĂ€tzliche Funktionen, die schnell in die Nutzung gebracht werden konnten.
Deshalb empfiehlt sich ein Vorgehen, das mit einer Dokumententypologie beginnt, Prozesse nach Volumen, VariabilitĂ€t und wirtschaftlichem Hebel priorisiert, einen Metadaten-Layer etabliert und fachliche Validierungsregeln definiert â erst danach folgt die technische Extraktion.
4. Extraktion allein reicht nicht. Agentic-IDP ermöglicht End-to-End-Prozesse
Mehrere VortrĂ€ge zeigten, dass der Hebel nicht in punktuellen Extraktions-Tools liegt, sondern in der nahtlosen Orchestrierung: âBenötigt werden End-to-End-Orchestrierung: Classification, Extraktion und Feedback-Mechanismen; eine Demo-Lösung genĂŒgt nichtâ, fasste Maximilian Dassler von der DFKP zusammen.
Ein Praxisbeispiel der NĂŒrnbergMesse demonstrierte das operative Muster: nach Klassifikation und Extraktion folgt eine Nachbearbeitungs-OberflĂ€che (âHuman Hubâ) â und nur wenn die KI mit ausreichend Vertrauen antwortet und sicher ist, lĂ€uft der Prozess ohne manuelle Nachkontrolle in der Dunkelverarbeitung weiter. Der Vortrag machte deutlich, wie wichtig Monitoring, Fehlerkategorien und definierte Human-in-the-loop-Schnittstellen sind, damit Automatisierung wirtschaftlich bleibt.
Bevor Technologiewahl und Modellierung final getroffen werden, sollten Sie Prozess-Workflows inklusive Fehlerpfaden modellieren, End-to-End-KPIs (Durchlaufzeit, typische Fehlerarten, Nachbearbeitungsaufwand) definieren und Feedback-Schleifen in den Betrieb integrieren. Agentic-IPD kann dabei helfen.
5. KI muss kontrollierbar bleiben und sich an harten Kennzahlen messen lassen
IBM forderte klare WirtschaftlichkeitsprĂŒfungen. Mit Verweis auf eine Deloitte-Studie  meint Keynote-Speaker Matthias Biniok: âNur 10 % der aktuellen KI-Projekte sehen einen echten ROI. Das ist wenig!â Damit war die Erwartung verbunden, KI-Projekte bereits vor dem Start an klaren Metriken zu messen.
Praktische Zahlen untermauern die These: DFKP berichtet von ihrem Projekt mit Buildsimple von konkreten Outcomes:
- Median von 30â35 Minuten auf 2 Minuten,
- 70 % weniger Zeit,
- 60 % weniger Fehler,
- dreifacher Durchsatz bei gleichem Personal
Diese zeigen, dass KI wirtschaftlich wirkt â allerdings nur dort, wo Vorher-Nachher-Metriken definiert sind.
Deshalb ist es Pflicht, vor jedem Piloten Baselines zu definieren, die Messmethodik und das Reporting festzulegen sowie Produktivsetzungen an harte Abnahmekriterien zu koppeln.
6. Governance, Security und der People-Faktor sind Betriebsvoraussetzungen
Compliance, Löschlogiken, Modelldokumentation sowie Sicherheitsfragen wie Prompt-Injection sind keine Randthemen, sondern Voraussetzung fĂŒr den stabilen Betrieb. HUK-Coburg formulierte dies konkret: âDSGVO konformes Löschen ist Pflicht. (..) Die Löschsystematik, die wir aufbauen, muss nachweisbar sein. Sie muss sicher sein. Und transparent. Aufbewahrungsfristen, sofern sie eine Rolle spielen, mĂŒssen berĂŒcksichtigt werden. Das ist die Herausforderung. Also geht es am Ende um den Aufbau eines standardisierten Systems, was skalierbar ist und natĂŒrlich entsprechend der Gesetzgebung Rechnung trĂ€gt.â
IBM warnte vor Operationalisierungsfallen: âPrompt-Injection im Rahmen von AI-Security ist ein spannendes Thema â plötzlich habe ich Data-Leakage. (..) Man braucht VisibilitĂ€t ĂŒber Use-Cases, regulatorische Compliance und Risikomanagement.â Damit wurde deutlich, dass Governance-Lifecycle, Tests, Security-Checks und AI-Literacy parallel zur Technik aufgebaut werden mĂŒssen.
Etablieren Sie daher eine Governance-Roadmap (Datenrechte, Löschprozesse, Modelldokumentation, Lifecycle-Tests), fĂŒhren Sie Security-Checks (inkl. Prompt-Injection-Szenarien) durch und begleiten Sie technische MaĂnahmen mit Schulung, Kommunikation und die Einbindung der relevanten Stakeholder.
7. Dokumentenlogistik skaliert nicht mit immer neuen Einzellösungen
Mehrere VortrĂ€ge aus der Dokumentenlogistik machten deutlich, dass nachhaltige Modernisierung nicht dadurch entsteht, fĂŒr jeden Fachbereich eine neue Speziallösung zu bauen. Der tragfĂ€higere Weg ist, aus konkreten AnwendungsfĂ€llen wiederverwendbare Bausteine, Standards und Integrationsmuster zu entwickeln, die sich auf weitere Szenarien ĂŒbertragen lassen.
Bei den Berliner Wasserbetrieben ist aus den ersten Projekten genau so ein Baukasten entstanden. âMit der Migration des Genehmigungsmanagements in die Ecliso-ECM-Welt war uns klar, dass wir irgendwas machen mĂŒssen, damit wir nicht jeden Fachbereich, jeden Aktentyp in einer in einem sehr aufwĂ€ndigen Projektvorgehen mit Konzept und Anforderungsaufnahme angehen, weil das einfach, viel zu lange dauert. Wir mĂŒssen standardisieren, wir mĂŒssen wegkommen von den Fachbereichsspezifischen Dingen und mĂŒssen so strategische Entscheidungen treffen, wie wir es schaffen, unsere Projekte sehr viel schneller ins Leben zu bekommen.â Genau darin zeigt sich ein zentrales Muster des EIM-Tags: Nicht die einzelne Lösung skaliert, sondern die FĂ€higkeit, aus ihr ein wiederverwendbares Modell zu machen.
Auch DATEV beschrieb diesen Wandel sehr klar. Dort war Enterprise Content Management ĂŒber Jahre stark von heterogenen Systemlandschaften, Eigenentwicklungen und entsprechend hohem Betriebsaufwand geprĂ€gt. Der Umbau zielte deshalb bewusst auf Plattformdenken, Standardsoftware und eine stĂ€rker beratende Rolle der IT. Besonders prĂ€gnant formulierte es Michael Szigeti in seinem Vortrag mit dem Hinweis, man habe âeine Menge an Custom Code Eigenentwicklungen zurĂŒckfahren und dadurch Produktstandards etablieren können, die heute helfen, Standardlösungen sinnvoll einzusetzen.â
Modernisierung heiĂt hier also nicht, alles neu zu bauen, sondern das Bestehende so zu konsolidieren, dass daraus ein belastbarer Standard entsteht.
MTU zeigte dieselbe Logik auf Workflow-Ebene. Dort wurde ein historisch gewachsenes, komplexes und auditsicheres Verfahren nicht komplett neu aufgesetzt, sondern zunĂ€chst ĂŒber ein modernes Frontend und modular aufgebaute Formulare modernisiert. Entscheidend war, dass sich Anforderungen gemeinsam mit dem Fachbereich schnell abbilden lieĂen und die Lösung dadurch nicht nur technisch tragfĂ€hig, sondern auch im Betrieb akzeptiert wurde.
Lufthansa Technik wiederum machte deutlich, dass Skalierung auch technisch modular gedacht werden muss: Regelbasierte Extraktion bleibt dort sinnvoll, wo sie schnell und zuverlĂ€ssig funktioniert, wĂ€hrend LLM-basierte Verfahren die LĂŒcken schlieĂen, an denen klassische Regeln an ihre Grenzen stoĂen.
Und Versafile erweiterte diese Perspektive um die strategische Ebene, indem der Vortrag den Schwerpunkt auf Content- und Metadatenstrategie mit Hilfe des Produkts docuflow legte.
Dahinter steht dieselbe Erkenntnis: Dokumentenlogistik wird erst dann wirklich zukunftsfÀhig, wenn Inhalte, Prozesse und Metadaten nicht als Einzellösungen, sondern als wiederverwendbares System gedacht werden.
Zusammenfassung: Was Unternehmen jetzt konkret tun sollten
Wer Informationsmanagement heute zukunftsfĂ€hig aufstellen will, sollte nicht bei der einzelnen Technologie beginnen, sondern bei den gröĂten Reibungsverlusten im eigenen GeschĂ€ft. Die VortrĂ€ge des EIM-Tags zeigen sehr deutlich: Der gröĂte Hebel liegt dort, wo unklare Datenstrukturen, manuelle Dokumentenprozesse, fehlende Governance und MedienbrĂŒche heute noch Skalierung, Geschwindigkeit und QualitĂ€t ausbremsen. Genau dort sollten Unternehmen ansetzen â mit klar priorisierten Use Cases, belastbaren KPIs und Lösungen, die nicht im Piloten stecken bleiben, sondern in den Betrieb ĂŒberfĂŒhrt werden können.
Ebenso klar wurde: KI entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn Daten und Inhalte wirklich nutzbar gemacht werden â also strukturiert, verknĂŒpfbar, fachlich beschrieben und in belastbare Prozesse eingebettet. DafĂŒr braucht es nicht nur gute Modelle, sondern ebenso eine tragfĂ€hige Plattformlogik, wiederverwendbare Bausteine in der Dokumentenlogistik, saubere Metadaten, klare Regeln fĂŒr Sicherheit und Compliance sowie ein realistisches VerstĂ€ndnis dafĂŒr, wo Automatisierung heute schon wirtschaftlich funktioniert und wo weiterhin menschliche PrĂŒfung notwendig bleibt.
Genau in diesen Spannungsfeldern begleitet ISR Unternehmen seit vielen Jahren: von der AI-Readiness von Daten ĂŒber Dokumentenlogistik und End-to-End-Orchestrierung bis hin zu Governance, Security, Analytics und Plattformarchitekturen. Wenn Sie prĂŒfen möchten, welche der gezeigten AnsĂ€tze fĂŒr Ihre eigene Ausgangslage relevant sind, kommen Sie gern auf uns zu. Wir ordnen die Learnings des EIM-Tags gemeinsam mit Ihnen auf Ihre konkreten Prozesse, Systemlandschaften und PrioritĂ€ten ein.
Auf Wunsch stellen wir Ihnen zudem gern die Originalaufnahmen der VortrĂ€ge zur VerfĂŒgung.
Presse-Echo
Informationen aus dem oben stehenden Newsartikel sind eine Beitrag des MittelstandsWiki eingeflossen, der am 16.07.26 veröffentlicht wurde.
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