Mit einer aktuellen Ankündigung sorgt SAP für erhebliche Veränderungen in vielen bestehenden Datenarchitekturen
Ab Juni 2026 wird mit einem Security- Patch die Nutzung des Operational Data Provisioning (ODP) Frameworks für Drittanbieter-Anwendungen technisch unterbunden (vgl. SAP-Hinweis 3255746).
Diese Änderung betrifft eine Vielzahl von Integrationsszenarien, die heute fest in modernen Datenplattformen verankert sind – insbesondere dort, wo SAP-Daten in Non-SAP-Zielsysteme repliziert werden.
Management Summary : Was die SAP-Änderung für ODP-RFC bedeutet
SAP wird ab Juni 2026 die RFC-basierte Nutzung der ODP Data Replication API für Drittanbieter-Anwendungen technisch einschränken. Diese Änderung betrifft zentrale Mechanismen der SAP-Datenextraktion und hat direkte Auswirkungen auf viele bestehende Integrations- und Datenarchitekturen.
Besonders kritisch ist, dass ODP in vielen Unternehmen heute die Grundlage für Delta-Extraktion, inkrementelle Datenverarbeitung und die Nutzung standardisierter Extraktoren bildet. Fällt dieser Mechanismus weg, sind insbesondere Szenarien betroffen, in denen SAP-Daten effizient in Non-SAP-Plattformen wie Data Lakes oder Cloud-Systeme übertragen werden.
Viele aktuell eingesetzte Integrationslösungen müssen daher angepasst oder neu gedacht werden. Alternative Ansätze – etwa über APIs, OData oder Replikationstechnologien – stehen zwar zur Verfügung, bringen jedoch häufig Einschränkungen bei Performance, Delta-Fähigkeit oder Betriebsaufwand mit sich.
Parallel verfolgt SAP klar die Strategie, Datenintegration stärker über eigene Plattformen zu steuern – insbesondere über SAP Datasphere als zentralen Bestandteil der SAP Business Data Cloud. Dies eröffnet zusätzliche funktionale Mehrwerte, erfordert aber auch eine strategische Neubewertung bestehender Datenarchitekturen.
Für Unternehmen bedeutet das konkret:
- Bestehende Integrationen sollten zeitnah auf ODP-Abhängigkeiten geprüft werden
- Kritische Funktionen wie Delta-Handling und inkrementelle Verarbeitung müssen gezielt bewertet werden
- Mögliche Alternativen sind frühzeitig zu testen und strategisch einzuordnen
Fazit: Die Änderung ist nicht nur technisch relevant, sondern erfordert eine aktive Auseinandersetzung auf Architektur- und Strategieebene. Unternehmen sollten jetzt prüfen, ob und wo Handlungsbedarf besteht, um Risiken für Datenversorgung und Geschäftsprozesse frühzeitig zu vermeiden.
SAP Note 3255746: Was sich bei der ODP Data Replication API ändert
ODP ist seit Jahren ein zentraler Bestandteil der Datenextraktion in SAP-Systemen. Es ermöglicht effiziente Mechanismen wie Delta-Handling, inkrementelle Datenextraktion (häufig auch in CDC-nahen Szenarien genutzt) sowie den Zugriff auf standardisierte Extraktoren, beispielsweise auf Basis von CDS- Views oder klassischen BW-Extraktoren.
Während ODP ursprünglich für SAP-eigene Anwendungen wie BW/4HANA oder Datasphere konzipiert wurde, hat sich die Nutzung in der Praxis deutlich ausgeweitet. Viele Unternehmen setzen ODP auch im Zusammenspiel mit Drittanbieter-Tools ein, um Daten in Cloud-Plattformen, Data Lakes oder andere analytische Systeme zu übertragen.
Genau diese Nutzung wird SAP nun technisch unterbinden. Künftig wird die RFC-basierte Nutzung der ODP Data Replication API auf SAP-eigene beziehungsweise offiziell unterstützte Szenarien beschränkt.
Warum ODP-RFC für SAP-Datenextraktion und Delta-Handling kritisch ist
Die Relevanz dieser Änderung ergibt sich vor allem aus der Rolle, die ODP in modernen Datenarchitekturen spielt. In vielen Fällen ist ODP nicht nur eine von mehreren Optionen, sondern der zentrale Mechanismus für performante und inkrementelle Datenverarbeitung. Insbesondere drei Aspekte sind betroffen:
- das Delta-Handling, das es ermöglicht, nur geänderte Daten effizient zu extrahieren, anstatt vollständige Datenbestände regelmäßig neu zu laden.
- inkrementelle bzw. delta-basierte Extraktion (teilweise für CDC-nahe Szenarien genutzt), die eine nahezu Echtzeit-Replikation von Änderungen unterstützt.
- die Nutzung standardisierter Extraktoren, die eine stabile und wartungsarme Datenbereitstellung sicherstellen.
Fällt dieser Mechanismus weg, müssen viele bestehende Integrationen grundlegend überdacht werden.
Welche Unternehmen und Integrations-
szenarien von der ODP-RFC-Einschränkung betroffen sind
In der Praxis betrifft die Änderung nahezu alle Szenarien, in denen SAP-Daten über externe Integrations- oder Replikationswerkzeuge in andere Plattformen übertragen werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um klassische ETL-Prozesse, moderne Cloud-Integrationen oder Data-Lake-Architekturen handelt.
Besonders kritisch sind Umgebungen, in denen ODP als primärer Mechanismus für Delta-Extraktion oder CDC genutzt wird. Hier drohen nicht nur funktionale Einschränkungen, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf Performance, Datenaktualität und Betriebskosten.
Auch indirekte Nutzungsszenarien sind relevant: Selbst wenn ODP nicht bewusst eingesetzt wird, kann es im Hintergrund durch Connectoren oder Middleware verwendet werden. Entsprechend wichtig ist eine transparente Analyse der bestehenden Systemlandschaft.
Alternativen zu ODP-RFC und wie sich der Markt darauf einstellt
Die ersten Reaktionen im Markt zeigen, dass sich viele Integrationsansätze neu ausrichten müssen. Dabei lassen sich zwei Perspektiven erkennen: Empfehlungen aus dem Drittanbieter-Umfeld sowie die strategische Ausrichtung von SAP selbst.
Drittanbieter-Tools wie OData, APIs und Replikation
Viele Anbieter setzen aktuell auf alternative Schnittstellen, um weiterhin Zugriff auf SAP-Daten zu ermöglichen. Ein zentraler Ansatz ist dabei der verstärkte Einsatz von OData-Services oder API-basiertem Zugriff auf CDS Views. Diese Schnittstellen werden von SAP unterstützt und sind zukunftssicher im Sinne der SAP-Strategie. Allerdings bringen sie Einschränkungen mit sich: Häufig fehlt ein gleichwertiges Delta-Handling, sodass inkrementelle Logiken auf der Zielseite selbst implementiert werden müssen. Zudem zeigen sich in der Praxis nicht selten Performance-Herausforderungen, insbesondere bei großen Datenvolumina oder komplexen Datenmodellen, da OData eher für transaktionale Zugriffe als für Massendatenextraktion ausgelegt ist. Zwar unterstützt auch ODP OData- Delta-Mechanismen, diese müssen jedoch im jeweiligen Anwendungsszenario hinsichtlich Performance, Skalierbarkeit und Betriebsverhalten sorgfältig validiert werden.
Ein weiterer Ansatz ist die Nutzung von Replikationstechnologien, die näher am SAP-Standard operieren, beispielsweise über SAP-eigene oder auf unterstützten Schnittstellen basierende Replikationsmechanismen. Diese bieten funktional eine Alternative zu klassischen, technisch generischen CDC-Ansätzen. Gleichzeitig müssen solche Szenarien jedoch technisch und lizenzseitig sorgfältig geprüft werden – insbesondere dann, wenn Non-SAP-Komponenten Daten aus SAP-Systemen lesen, replizieren oder weiterverarbeiten. In der Praxis steigen zudem häufig der betriebliche Aufwand sowie die Anforderungen an Infrastruktur, Monitoring und Governance.
Darüber hinaus arbeiten viele Anbieter daran, ihre bestehenden Lösungen anzupassen und alternative Extraktionsmechanismen zu etablieren. Ergänzend verweisen einige Anbieter auch auf bereits vorhandene alternative Komponenten innerhalb ihres Portfolios im SAP-Umfeld, die als Ersatz für ODP-basierte Szenarien genutzt werden können. Allerdings ist davon auszugehen, dass diese Anpassungen und Alternativen Zeit benötigen und nicht in allen Fällen die bisherigen Funktionalitäten vollständig ersetzen können.
Ausrichtung von SAP: Datasphere und BDC als strategische Zielarchitektur
Parallel dazu wird deutlich, dass SAP verstärkt auf eigene Plattformen als zentrale Drehscheibe für Datenintegration setzt. In diesem Zusammenhang wird zunehmend diskutiert, SAP-eigene Lösungen als Zwischenschicht zu nutzen, um Daten standardkonform bereitzustellen und von dort aus weiterzuverarbeiten. Insbesondere SAP Datasphere sowie die übergeordnete SAP Business Data Cloud gewinnen hier an Bedeutung, da sie als zentrale Integrations- und Bereitstellungsschicht für Daten positioniert werden.
Dieser Ansatz ist insbesondere dann interessant, wenn neben der reinen Extraktion und Verteilung von Daten auch zusätzliche Mehrwerte der Plattformen genutzt werden sollen, beispielsweise semantische Modellierung, Datenharmonisierung, Data-Fabric-Ansätze, Self-Service-Datenbereitstellung oder integrierte Analysefunktionen. Gleichzeitig entspricht dies klar der strategischen Ausrichtung von SAP, führt jedoch auch zu neuen Abhängigkeiten und erfordert eine bewusste Neuausrichtung bestehender Architekturen.
ODP-RFC prüfen: 5 Schritte zur Bewertung des Handlungsbedarfs
Um einzuschätzen inwiefern Handlungsbedarf für Sie besteht, sollten Sie folgende Punkte prüfen:
- Nutzung von ODP analysieren: Zunächst sollte systematisch geprüft werden, wo und wie ODP aktuell genutzt wird. Dabei sind sowohl direkte als auch indirekte Abhängigkeiten zu berücksichtigen – etwa über ETL-Tools, Middleware, Connectoren oder bestehende Integrationsplattformen.
Geschäftskritische Funktionen bewerten: Im nächsten Schritt gilt es zu analysieren, welche Datenflüsse und Funktionen besonders kritisch für Reporting, Analytics oder operative Prozesse sind. Insbesondere Delta-Handling, inkrementelle Datenverarbeitung sowie standardisierte Extraktoren sollten dabei im Fokus stehen.
Mögliche Alternativen bewerten: Darauf aufbauend sollten alternative Ansätze geprüft und fachlich wie technisch bewertet werden. Entscheidend sind dabei nicht nur die grundsätzliche Machbarkeit, sondern auch Aspekte wie Performance, Skalierbarkeit, Betriebsaufwand und strategische Passfähigkeit.
Auswirkungen durch Tests validieren: Wichtig ist zudem, frühzeitig mit Tests und Prototypen zu beginnen. Nur so lässt sich realistisch bewerten, welche Auswirkungen alternative Extraktions- und Integrationsansätze auf bestehende Prozesse, Datenaktualität und Betriebsstabilität haben.
Handlungsbedarf strategisch einordnen: Die Änderungen sollten nicht isoliert als technisches Einzelthema betrachtet werden. Vielmehr empfiehlt es sich, die Ergebnisse in den Kontext der eigenen Daten- und Integrationsstrategie einzuordnen und mögliche Architekturentscheidungen frühzeitig vorzubereiten.
Strategische Einordnung: SAP-Datenintegration im Wandel
Die Einschränkung der ODP-Nutzung ist kein isoliertes technisches Thema, sondern Teil einer klar erkennbaren strategischen Entwicklung. SAP positioniert seine eigenen Plattformen zunehmend als zentrale Drehscheibe für Datenintegration und -bereitstellung.
Für Unternehmen bedeutet das, ihre Datenstrategie neu zu justieren und bewusste Entscheidungen über zukünftige Architekturmodelle zu treffen. Dabei geht es um die Balance zwischen Offenheit, Flexibilität und der Nutzung standardisierter, vom Hersteller unterstützter Wege.
Unterstützung bei ODP-RFC-Analyse und
SAP-Datenarchitektur
Die konkreten Auswirkungen hängen stark von der jeweiligen Systemlandschaft, den eingesetzten Tools und den bestehenden Integrationsmustern ab. Entsprechend individuell müssen auch die Lösungsansätze sein.
ISR unterstützt Sie bei der Analyse Ihrer ODP-RFC-Abhängigkeiten, der Bewertung kritischer Datenflüsse und der Entwicklung eines tragfähigen Migrations- oder Zielarchitekturpfads. Gemeinsam prüfen wir, welche Integrationsmuster betroffen sind, welche Alternativen technisch und wirtschaftlich sinnvoll sind und wie sich Risiken für Reporting, Analytics und operative Datenversorgung minimieren lassen.
Sprechen Sie uns an.
Carl Stegat
Professional Business Development
SAP Information Management
carl.stegat@isr.de
+49 (0) 15142205480


