Scale Up oder Scale Out? Hyperscaling – Die Zukunft des Cloudcomputing

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Die Big Player des Hyperscalings sind weiter auf dem Vormarsch – was bedeutet das für Unternehmen und wo sehen wir die Vor- und Nachteile?

Vor gut 10 Jahren waren sich Google und Louis Vuitton schon spinnefeind. Tobte doch seit 2006 ein Rechtsstreit zwischen dem französischen Hersteller von Luxusgütern (u.a. die berühmte Monogramtasche) und dem Internetriesen. Grund: Google Anzeigen, die Käufer auch auf Markenfälschungen führten – Louis Vuitton fühlte sich in seinen Markenrechten verletzt. 2021 dann die Wende: der Mutterkonzern LVMH und Google verkünden eine strategische Partnerschaft zum Trendthema „AI“, artificial intelligence. Also dem Einsatz von künstlicher Intelligenz beim Online-Kauferlebnis.

Fällt Ihnen etwas auf? Google, Microsoft, Amazon Web Services (allesamt Cloud-Anbieter) dominieren den Markt und bahnen sich ihren Weg heimlich, still und leise in Unternehmen und Branchen, wo man sie vielleicht noch im Moment nicht vermutet.

Was versteht man unter dem Begriff „Hyperscaler“?

Hyperscaling beschreibt hochskalierbare IT-Ressourcen im Umfeld des Cloud-Computings und Big Data. Als Synonym werden hierbei häufig die marktbeherrschenden Public Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Google Cloud und Microsoft Azure genannt. Dennoch gibt es weitere, große Anbieter in diesem Segment wie bspw. (und auch nicht zu vernachlässigen) der chinesische Anbieter Alibaba, IBM oder Telekom. 

Diese Tech-Giganten können ihren Kunden mit großen und weltweit verteilten Rechenzentren extrem viel Kapazität zur Verfügung stellen. Nach dem Scale Out Prinzip kann so praktisch unbegrenzt Speicher und Rechenleistung skaliert werden. Im Gegensatz zu Scale Up Strategien wird hier nicht nur partiell Speicherplatz erweitert und genutzt bis neuer Platz nötig wird. Dafür müssen Unternehmen oft selbst Anlagen anschaffen und damit abschätzen, wie viel Kapazität sie zukünftig brauchen werden, wodurch oft Über- oder Unterdimensionierungsprobleme entstehen.

Durch Scale Out Strategien, oder auch horizontaler Vernetzung, müssen Wachstumspotentiale initial nicht mit einkalkuliert werden, sondern können bei Bedarf bedient werden (pay as you grow). Hier wird nicht nur Speicherplatz erweitert, sondern modular immer auch Performancebausteine wie CPU, RAM und Netzwerkressourcen. So kann das System fließend wachsen.

Die Kombination von Speicherkapazität und Rechenleistung ist der Schlüssel zu großen Projekten und unabdingbar für eine flüssiges und leistungsstarkes Datenmanagement.

Ein Beispiel dafür ist die Siemens AG. Als Partner der AWS Cloud nutzt sie diese Technologie und ist dadurch im Stande eine Datenlast zu bewältigen, die kein menschliches Team überblicken kann. 60.000 Cyber-Bedrohungen pro Sekunden wehrt das Siemens System dank Cloud-basierter, hochskalierter Prozesse ab.

Vorteile des Hyperscaling

Der Einsatz von Hyperscaling geht also für Unternehmen mit vielen Vorteilen einher.

Dazu zählen:

  • Unbegrenzte Skalierung
  • Flexible und dezentrale Infrastrukturen
  • Hohe Ausfallsicherheit und Anpassungsfähigkeit
  • Redundante Lösungen
  • Pay as you grow Prinzip: es wird nur das bezahlt, was tatsächlich verbraucht wird

In Zusammenarbeit mit großen Anbietern wie AWS oder MS Azure:

  • Pionierstellung in ihrem Gebiet – hohe Expertise
  • Neue Standards gehen von ihnen aus
  • Hohe Entwicklungsgeschwindigkeit ihrer (Zusatz-) Dienste

Nachteile des Hyperscaling

Wie immer im Leben gibt es auch eine Schattenseite. Häufig resultieren beim Einsatz von Hyperscale-Computing auch Nachteile hinsichtlich:

  • Datensicherheit, Datenhoheit und Souveränität
  • Hohe Anforderungen an IT-Mitarbeitende
  • Vendor Lock-In: Abhängigkeit und Bindung an die Preismodelle des Anbieters

Insbesondere die Frage um Datensicherheit oder der digitalen Souveränität sorgt – auch auf politischer Ebene – immer wieder für Diskussionen.

Charakteristika verschiedener Cloudarten

Im Thema Informationsstandort scheiden sich die Geister zwischen strengem, kontrolliertem Datenschutz und wendiger, produktiver allround Cloud. Entsprechend gibt es verschiedene Möglichkeiten sich auf Cloudlösungen einzulassen

Hier werden die drei verschiedenen Arten von Clouds abgebildet. Die Public Cloud, die Private Cloud und die Hybrid Cloud sind verschiedene Ausprägungen, die von Hyperscaling Anbietern zur Verfügung gestellt werden.
Abbildung 1: Die verschiedenen Möglichkeiten der Cloudarchitektur | isr.de
Doch sind die USA und China alleine auf diesem Markt?

Europa im Zugzwang: Gaia X als europäische Antwort auf die Hyperscaler

So präsentierte Peter Altmaier (Bundesminister für Wirtschaft und Energie) im Sommer letzten Jahres mit GAIA-X  die europäische Alternative für eine umfassende, europäische Dateninfrastruktur. Es handelt sich hierbei um „ein Projekt von Europa für Europa“ . Deutschland, besser gesagt Europa, will und muss in Sachen Digitalisierung nachziehen; man setzt daher auf offenes, schnelles und vernetztes Ökosystem. Nicht zuletzt die Pandemie hat dazu geführt, dass Themengebiete der Digitalisierung innerhalb Europas an enormer Bedeutung gewonnen haben (und das nicht nur für Großunternehmen und Konzerne). Das „Trendthema“ Cloud profitiert dabei am meisten.

Der Cloudmarkt boomt – für die Hyperscaler erst der Anfang

Fakt ist, der Cloud-Markt boomt. Die die großen Hyperscaler wie AWS oder Google werden ihre Geschäfte weiter ausbauen und greifen dafür tief in die Taschen. Allein Microsoft Azure bietet aktuell ca. 200 verschiedene Cloud-Dienste an. Eine Empfehlung für oder gegen einen bestimmten Anbieter gibt es übrigens nicht.

Warum sollte ich mit als Unternehmen mit Hyperscaling beschäftigen?

Die Frage nach Sinn und Bedeutung von Cloud-Technologien stellt sich nicht (mehr), denn in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens und Berufsleben nutzen wir, bewusst oder unbewusst, Cloud-Dienste. Sei es die Serie auf Netflix, der Müdigkeitssensor im VW Golf, der online Handtaschenkauf bei Louis Vuitton (siehe Einleitung des Blogs) oder eine Videokonferenz mit den Kolleg:innen mit Hilfe von MS Teams. Wesentliche Fragen, die sich Unternehmen stellen sollten, lauten daher:
  • Wie kann mein Unternehmen von dieser Plattformökonomie profitieren?
  • Wo ergänzen oder bedrohen die Hyperscaler mein (bisheriges) Geschäftsmodell?
  • Welche neuen Business Services kann ich als Unternehmen auf diesen Plattformen anbieten?

Absolutes must have für die Cloud Migration: eine Cloud-Strategie

Die Migration des eigenen Workflows in die Cloud kann auf verschiedenen Wegen vonstattengehen. Zunächst stellt sich die Frage nach einer kompletten Umstellung der unternehmensinternen Arbeitsweise. Dies kann einen neuen Start und eine Auffrischung eingefahrener, ineffizienter Prozesse bedeuten. Ansonsten besteht die Möglichkeit eines Lift & Shift Ansatzes. Hier werden die gewohnten Abläufe, Programme und Daten so nahtlos wie möglich in die Cloud verschoben und können dort wie gewohnt weiter genutzt werden.

Damit einher gehen verschiedene Servicemodelle, die die Migration ermöglichen und die konstante Nutzung begleiten.

Das Modell Infrastructure as a Service (IaaS) stellt allein die nötige Hardware zur Verfügung. Egal ob public oder private, hier werden allein die Rechenleistung und Speicherkapazität gestellt, während das Unternehmen sich um deren Nutzung selbst kümmern muss. Der Provider trägt allerdings die Verantwortung für die Reibungslosigkeit und Wartung der Hardwarefunktionen. Diese Komponente ist mindestens für einen Lift & Shift Ansatz erforderlich.
Anbieter von Platform as a Service (PaaS) stellen den Kunden sowohl die Hardware (IaaS) als auch ein Fundament für eine Software. Hier kann das Unternehmen anknüpfen und individuelle Programme und Prozesse einspielen.

Sicher bekannt ist der Begriff Software as a Service (SaaS). Unabhängig von der Hardware werden hier nur Softwarelösungen unterbreitet. Jede Oberfläche und jedes Backend werden vom Anbieter gestellt und bleibt ohne eigene Mühe immer auf dem neuesten Stand. Die IT-Abteilung wird enorm entlastet und das Unternehmen kann erprobte Lösungen in Anspruch nehmen.
Mit Buildsimple liefert ISR eine solche Software as a Service. KI-gesteuert können hier Dokumente erkannt, ausgelesen und per Cloud an die richtigen Anlaufstellen verteilt werden.

Sie wissen ja, ohne Zielsetzung und Strategie kann jede noch so gute Technologie im digitalen Aktionismus versinken. Ob nun ein reiner Lift & Shift-Ansatz verfolgt werden soll, ob Public oder Private Cloud gewählt wird, und welcher Service dahinter steht hängt von vielen unternehmensinternen und -externen Faktoren ab, die vorher beleuchtet werden müssen.

Haben Sie hierzu Fragen oder benötigen Unterstützung bei der Entwicklung einer Cloud-Strategie oder bei der Suche nach dem passenden Cloud-Anbieter? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

Über ISR

Wir agieren seit 1993 als IT-Berater für Data Analytics und Dokumentenlogistik und fokussieren uns auf das Datenmanagement und die Automatisierung von Prozessen.
Ganzheitlich und im Rahmen eines umfassenden Enterprise Information Managements (EIM) begleiten wir von der strategischen IT-Beratung über konkrete Implementierungen und Lösungen bis hin zum IT-Betrieb.
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